Musik-Streaming. Gut für Fans – schlecht für Musiker?

Michael Schütz, September 6, 2013

CD und MP3 war gestern, die Zukunft heißt Musik-Streaming. Zu dieser Einschätzung kommen neben vielen Streaming-Anbietern auch immer mehr Künstler, Labels und Konsumenten. Kein Wunder, lässt sich mit den Musik-Flatrates doch viel Geld sparen: Statt Alben für 10 bis 20 Euro und damit bis zu 20 Songs zu kaufen, hat man bei der Nutzung eines Streaming-Dienstes für weniger Geld Zugriff auf mehrere Millionen Songs als Flatrate.

Der Streaming-Markt ist zuletzt vor allem in den USA und dem Mutterland von Spotify - Schweden - kräftig gewachsen. Auch in Deutschland sind die Umsätze ordentlich angestiegen. Musikstreaming-Dienste haben laut Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI,

"vor allem auch das Potenzial, neue Zielgruppen für den legalen Musikmarkt zu gewinnen - neben denen, die sich bislang vorrangig illegal versorgt haben, auch die anderen zahlreichen ‘Nichtkäufer’ von Musik, die immerhin knapp 64 Prozent der Deutschen ausmachen.“

(musikindustrie.de/aktuell_einzel/back/84/news/streaming-umsaetze-steigen-im-1-halbjahr-2013-um-mehr-als-130-prozent)

An sich eine gute Sache, doch in Ländern wie Schweden und Norwegen, in denen Musikstreaming schon weiter verbreitet ist, sieht man, dass Streaming auch auf Kosten der restlichen Musikverkäufe geht. Wichtig also für den Künstler, ob es sich für ihn lohnt, seine Musik bei Streaming-Diensten anzubieten.

Verkauft eine Band ihr Album im Fachhandel für 15 Euro, bekommt sie im besten Fall circa 3,10 Euro davon. Beim Verkauf über eine Downloadplattform wie iTunes bleiben der Band etwa 2,52 Euro. Von einem Streaming Anbieter bleiben in der Regel nur 0,02 Euro. Spotify zahlt etwa 4 Cent pro 10-Track-Album. Dies hängt jedoch von der Popularität des Künstlers ab. Je bekannter, desto besser der Deal. Genaue Infos direkt von Spotify: spotify.com/de/about-us/artists/get-paid-from-spotify

Die Ausschüttungsquote beim Streaming mag „unfair“ oder in der Masse betrachtet zu gering sein. Das liegt aber auch daran, dass (noch) nicht genug Menschen Streaming-Dienste nutzen und daher noch nicht genügend Geld im Topf ist, das verteilt werden kann. Für viele Künstler lohnt es sich daher noch nicht, ihre Musik auf diesem Weg zu vertreiben. Mit Humor nimmt es DJ Scaramanga Silk, der sich beim Support von Spotify dafür bedankt, dass er sich dank Spotify den Traum vom Haus erfüllen konnte (digitalmusicnews.com/permalink/2013/20130722djhome) und dieses Bild seines Traumhauses mitschickte:

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Streaming ist wahrscheinlich das Musik-Vertriebsmodell der Zukunft. Solange aber nur die Größten davon profitieren bleibt es wohl ein kontroverses Thema. Manche könnten sich auch davon abkehren. An Alternativen mangelt es schließlich nicht. Außerdem wird für alle Künstler der Live-Musikmarkt weiter an Bedeutung gewinnen.

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